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Zerstörung und Wiederaufbau


Zielgerecht mündete der Nationalsozialismus in der Katastrophe des Krieges, und wie ein Gericht kam die Zerstörung. In der Nacht zum Dienstag, 25. Juli 1944, gegen halb zwei Uhr griffen 600 Bomberflugzeuge der britischen Luftwaffe wieder Stuttgart an. Große Teile der Innenstadt fielen in Schutt und Asche. Dabei wurde auch die Leonhardskirche zerstört. Margarete Krenn schrieb dazu in einem Brief: ´Dann der Krieg, das Inferno, die Zerstörung. Ich stehe noch mit meinem Vater vor der in Flammen stehenden Leonhardskirche, und wir haben geweint, als die Feuerzungen in den Himmel schlugen, das Dach anhoben, und es dann in sich zusammenge-
brochen ist. Der Turm hat wie ein Streichholz gebrannt.´


Die Leonhardskirche 1944 von der Lazarettstraße aus
 

Nachtwächterbrunnen und Chor der Leonhardskirche
 

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1939 kann man in dem dickleibigen Buch mit den Sitzungsprotokollen des Kirchenge-
meinderats nachlesen, wie sich die Gemeinde auf Krieg, Luftangriffe, Tod und Zerstörung innerlich und praktisch vorbereitet. Die Kohlenvorräte werden knapp und von der Kreisleitung der NSDAP beschlagnahmt. Gottesdienste finden in der unbeheizten Kirche oder auch in Privaträumen statt. Die große Zahl der Kirchenaustritte steigt noch. Die gesamte kirchliche und religiöse Presse wird stillgelegt. Glocken und Kupferdächer müssen abgeliefert werden. Am 14. September 1942 heißt es: ´Der Krieg wird immer ernster und fordert immer mehr Opfer.´
Im März und April 1943 kosten schwere Fliegerangriffe in Stuttgart vielen hundert Menschen das Leben.

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Und am 6. September erlebt Stuttgart den ersten Fliegerangriff bei Tag. Am 7./8. Oktober heißt es: ´Wir sind alle sehr dankbar, dass unsere Kirche noch steht.´ Aber am 25./26. Juli 1944 schon ist sie zerstört. Im Bericht der Kirchengemeinde-
ratssitzung vom 11. September heißt es: ´Zusammen mit der altehrwürdigen Stiftskirche ist auch unsere liebe teure Leonhardskirche bis auf die Grundmauern zerstört worden. In beiden Nächten wurde die Kirche von Sprengbomben getroffen, durch die sie zusammenstürzte. Durch Funkenflug ... wurden die Trümmer der Kirche in Brand gesetzt, so dass sie völlig ausbrannte. Wegen Wassermangels war es unmöglich zu löschen. Der bis zuletzt stehende Turm wurde auch noch vom Feuer ergriffen und brannte aus. Die Spitze des Turms mit dem Glockenstuhl und der einzigen großen uns noch verbliebenen Glocke stürzte herab und die Glocke zerbarst.


Kreuzigungsgruppe, Rathaus und Nachtwächterbrunnen 1946
 

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... Wir hoffen fest und wollen mit aller Kraft daran arbeiten, dass unsere Kirche wieder aufgebaut wird.´
Am 21. April 1945 war für Stuttgart der Krieg zu Ende, französische Panzer zogen abends von allen Seiten her in das Stadtgebiet ein. In der ersten Sitzung nach dem Waffenstillstand am 8./9. Mai beschäftigte sich der Kirchengemein-
derat bereits mit dem Wiederaufbau der Kirche und sofort begannen die Aufräumungsarbeiten. Am 3. Juni fand schon der erste ´Ruinengottes-
dienst´ statt. Am 2. Dezember löst Erwin Ißler von der Gedächtniskirche Wilfried Lempp ab, der Prälat von Schwäbisch-Hall wird. Ißler, der gleichzeitig Stadtdekan wurde, steht für den Wiederaufbau der Leonhardskirche und weiterer 24 Kirchen in Stuttgart.


Die linke Pfeilerreihe blieb (bis heute) erhalten
 

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Er plante sogar, die Leonhardskirche zur zentralen Gemeindekirche Stuttgarts zu machen und von der Stiftskirche nur Chor und Türme zu restaurieren - als Erinnerungsdenkmal. Das dürfte mit ein Grund dafür sein, dass die Leonhardskirche als erste der drei spätgotischen Kirchen schon fünf Jahre nach Kriegsende wiederaufgebaut war und eingeweiht werden konnte.
Den Verantwortlichen ist damals eine ehrliche Restaurierung gelungen, die auch heute noch - ohne riesige, höchst problematische Renovierungskosten - überzeugend Bestand hat. Die Wunden, die der Luftkrieg schlug, die Narben, die sie hinterließen, werden offen gezeigt. Und der Chor mit seinem schönen Netzgewölbe beschwört noch einmal Aberlin Jörg, den großen Architekten der Spätgotik.

 

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Am 19. März 1950 ist Wiedereinweihung - ein großer Festtag. Erwin Ißler wird zum Prälaten ernannt.

1954
Der Turm ist fertig. Am 14. November findet die Glockenweihe statt.

 

Weitere Informationen finden Sie im Materialheft zur Ausstellung ´Zerstörung und Wiederaufbau´, das beim Pfarramt angefordert werden kann.


Materialheft