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Seyffer Kreuzigungsgruppe


Vor 500 Jahren, im Jahre 1501, wurde die Kreuzigungsgruppe des bedeutenden spät-
gotischen Bildhauers Hans Seyffer vor dem Chor der Stuttgarter Leonhardskirche innerhalb des damaligen Friedhofs errichtet. Es war eine Bürgerstiftung des Vogts Jakob Walther genannt Kühorn (1417 bis 1503) und seiner Ehefrau Klara Mager (1435 bis 1525). Beide sind im Chor der Leonhardskirche begraben; ein Epitaph aus neuer Zeit erinnert an sie.


Hans Seyffer, von dessen Leben nicht viel überliefert ist, war ein Steinbildhauer und Holz-
schnitzer von ungewöhnlicher Ausdruckskraft und einfühlsamer Innigkeit.


Kreuzigungsgruppe von Hans Seyffer von 1501 (Kopie) - als Postkarte erhältlich
 

Kreuzigungsgruppe von Hans Seyffer von 1501 (Kopie) - als Postkarte erhältlich
 

Seyffer Kreuzigungsgruppe (2)


Seyffer markiert - zusammen mit den anderen großen Meistern seines Fachs in dieser Zeit - Riemenschneider in Würzburg, Veit Stoß in Nürnberg, Hans Brüggemann in Schleswig und Heinrich Douvermann in Kalkar und Xanten - die dramatische Zeitenwende von der Spätgotik zur Renaissance. Wilhelm Pinder nannte ihn den größten Meister der frühklassischen Richtung und verglich ihn mit dem jungen Michelangelo. Er erhielt 1502 die Bürgerrechte von Heilbronn und starb 1509 entweder dort oder in Speyer.
Neben der Stuttgarter Kreuzigungsgruppe ist sein wichtigstes Werk der geschnitzte Flügelaltar von 1498 in der Heilbronner Kilianskirche. Zudem wird im kunsthistorischen Museum in Wien eine schreitende Jünglingsfigur und im Bayrischen Nationalmuseum München eine kleine Skulptur der "Beweinung Christi" gezeigt, die Hans Seyffer zugeschrieben wird.

Seyffer Kreuzigungsgruppe (3)


Aber die "Pranke des Löwen" erkennt der Betrachter noch heute auch in seinen stark verwitterten, zum Teil nur noch fragmentarischen Werken: dem erschütternden Christuskopf mit der Dornenkrone von 1505 im Heilbronner Städtischen Museum, dem Ölberg von 1506 in Speyer, dem stark plastisch herausgearbeiteten Ölbergrelief von 1507 an der Regiswindiskirche zu Lauffen am Neckar, der Grablegung Christi von 1488 im Wormser Dom und schließlich der seiner Heilbronner Werkstatt zugeschriebenen Kreuzabnahme im Stuttgarter Lapidarium und dem ähnlichen Relief der Beweinung an der Südseite der Oswaldkirche in Stuttgart-
Weilimdorf von innen.


Christuskopf von Hans Seyffer von 1505
 

Seyffer Kreuzigungsgruppe (4)


Seit mehr als einem Jahrhundert steht das Original der Kreuzigungsgruppe von Hans Seyffer nicht mehr vor dem Chor der Leonhardskirche. Vielmehr schuf 1889 der Stuttgarter Bildhauer Reichelt unter Leitung von Prof. Adolf von Donndorf eine Nachbildung. Das Original wurde, um es vor Witterungseinflüssen zu schützen 1905 in die Hospitalkirche versetzt: Das Kruzifix mit Maria Magdalena stand beim Triumphbogen, die Skulpturen von Maria und Johannes wurden getrennt davon in einem Nebenraum, der zum Kreuzgang führte untergebracht. Alle Originalfiguren blieben über die Luftangriffe im 2. Weltkrieg erhalten, weil sie sorgfältig geborgen waren. Auch die Nachbildung vor der Leonhardskirche übersteht wie ein Wunder, wenn auch beschädigt, die zerstörerischen Luftangriffe von 1944.


Der Johannes der Kreuzigungsgruppe von Hans Seyffer von 1501 (Kopie)
 

Schon 1946 stellt Kunstbildhauer Gerdes die Figurengruppe wieder her, die am 20 Juli 1948 wieder eingeweiht wird. Aber ein Vierteljahrhundert später zeigen sich wieder Spuren des Zerfalls. 1975 schafft der Bildhauer Günter Schönfeld eine neue Kopie des Denkmals, die noch heute zu sehen ist. 1998/99 gestaltet die Stadt Stuttgart das Umfeld der Kreuzigungsgruppe zu einem würdigen kleinen Platz. Er erinnert ein wenig an den historischen St. Leonhardsfriedhof, den "Newen Kirchhoff", der 1799 geschlossen und 1805 ganz beseitigt wurde.