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Der heilige Leonhard (1)


Der Schutzpatron der Leonhardskirche in Stutt-
gart, der Heilige Leonhard, wirkte um 500 am
Hofe des Frankenkönigs Chlodwig. Aus adelig-
em Hause stammend hatte er sich das Privileg
erwirkt, Gefangene zu befreien und bemühte
sich um ihre Resozialisierung, indem er
ihnen Landbau ermöglichte.


St. Leonhard ist in der Regel mit einer Kette
dargestellt, so auch in den beiden ehemaligen
Schlusssteinen, die nun in die Kirchenwand ein-
gemauert sind, der eine am Aufgang zur Empore, der andere bei der Kanzel. Später wurde Leon-
hard wegen des Attributes der Kette, die als
Viehkette gedeutet wurde, auch zum Schutz-
patron für das Vieh.


Der heilige Leonhard
früher 2. Schlussstein im Chor, heute am Aufgang zur Empore
 

Der heilige Leonhard - Schlußstein bei der Kanzel
 

Der heilige Leonhard (2)


Das war auch aufgrund seiner Nähe zur Landwirtschaft naheliegend. So wurden viele Leonhardskapellen nicht in der Stadt, sondern draußen auf der Viehweide errichtet. Das gilt für Reutlingen und in gewisser Weise auch für Stuttgart.


Leonhard selbst hatte 22 km östlich von Limoges ein Kloster gegründet. Dieser Ort wurde später nach ihm Saint-Léonard-de-Noblat genannt. In der dortigen romanischen Kirche ist
er begraben. Das Todesjahr war vermutlich 559. Sein Todestag, der 6. November, wurde zum Leonhardstag.

Der heilige Leonhard (3)


Da durch St. Léonard eine der Pilgerstraßen
nach Santiago de Compostella in Spanien ging,
verbreitete sich die Verehrung des Heiligen
Leonhard in vielen Teilen Europas.
Heute gibt es über 300 Leonhardskirchen in West- und Mitteleuropa. Manche wurden mit Ketten umgeben, aus denen geschmiedet, die ehemalige Gefangene aus Dankbarkeit mitgebracht hatten.
Eine Kette umspannt z.B. heute noch die alte
evangelische Leonhardskirche in Gellmersbach
bei Weinsberg.


Der heilige Leonhard
Holzschnitt von 1410-1420
Graz Universitätsbibliothek
 

Glasfenster in der Leonhardskirche Basel
 

Der heilige Leonhard (4)


Die Lage vieler Leonhardskirchen vor den Stadtmauern und die Nähe zum Jakobskult legen die Annahme nahe, dass auch die Stuttgarter Leonhardskirche als Pilgerkirche diente. Dafür spricht vor allem die Tatsache, dass wichtige Schlußsteine der Kirche den Heiligen Jakobus selbst (nicht erhalten) und eine wichtige Gestalt der Jakobslegende, den Heiligen Jodukus (heute an der 2. Stelle im Chor), zeigten. Zudem gab es Altäre, die diesen Heiligen gewidmet waren. Es ist ein schöner Gedanke, dass die Vesperkirche heute die alte Funktion der Leonhardskirche als Schutz- und Pilgerkirche aufgreift und weiterführt.

 

Einige wichtige Leonhardskirchen


Ökumenisches Heiligenlexikon, Artikel: Leonhard von Noblat