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Chronik (11)


1825.
König Wilhelm I. holt den 67jährigen Pfarrer Christian Adam Dann, der 1812 als unbeugsamer Christ von König Friedrich I. auf die Pfarrei Oschingen bei Tübingen strafversetzt worden war, an die Leonhardskirche zurück, wo er bis zu seinem Tod 1837 wirkte. Dann (1758-1837) war von 1794 bis 1800 Diakonus (Helfer oder 2. Pfarrer) an der Leonhardskirche. Der unerschrockene Bußprediger und Seelsorger war auch ein einflussreicher Schriftsteller. Durch zwei Schriften trat Dann für den Tierschutz ein (1833: ´Notgedrungener Aufruf zur Linderung des unsäglichen Leiden der in unserer Umgebung lebenden Tiere´) und war damit Mitbegründer des deutschen Tierschutzvereins.


Christian Adam Dann
 

Chronik (12)


1841
Gustav Schwab (1792-1850) wird Stadtpfarrer und Amtsdekan an der Leonhardskirche.
Schwab war Schriftsteller, Pädagoge und Pfarrer, gehörte als Freund von Ludwig Uhland und Justinus Kerner zum schwäbischen Dichterkreis und ist bis heute bekannt als Verfasser und Bearbeiter der ´Schönsten Sagen des klassischen Altertums´ und der ´Deutschen Volksbücher´. Sein Haus in Stuttgart war Mittelpunkt des literarischen Lebens seiner Zeit. Gustav Schwab stirbt am 4. November 1850 und wird auf dem Stuttgarter Hoppenlaufriedhof beerdigt.


1852
Der Wimperg über dem Westportal wird von Werkmeister Heimsch gestiftet.


Gustav Schwab
 

Chronik (13)


1845
Albert Knapp (1798-1864), der ´betende Sänger´ (Hans Lindel), wird als Nachfolger von Gustav Schwab 1. Pfarrer an der Leonhardskirche, wo er bis zu seinem Tod bleibt. Er schrieb insgesamt etwa 1200 Gedichte. In seinem ´Evangelischem Liederschatz für Kirche und Haus´ (1837) sammelte er aus annähernd 100 000 Liedern die 3 590 seiner Meinung nach schönsten aus.
Knapp wirkte auch am Württembergischen Gesangbuch von 1841 maßgeblich mit und ist auch noch im heutigen Evangelischen Gesangbuch vertreten.


Knapp rief am 17. Juni 1837 den ersten Tierschutz-Verein Deutschlands ins Leben.


Albert Knapp
 

Chronik (14)
1854
Johann Scherer aus Dinkelscherben, der zuvor die Chorfenster der Stiftskirche gemalt hatte, fertigt die Rosette für die Leonhardskirche an.

Chronik (15)


1856
Im nördlichen und südlichen Seitenschiff und für die Orgel an der Westfront werden Emporen angebracht, was den starken Zulauf zu den Gottesdiensten bestätigt.


 

Chronik (16)


1858
Über dem Mittelgang an der Westseite wird der Schriftzug unter der Orgel-
empore angebracht: ren. von der Pfarrgemeinde zu St. Leonhard 1858 - ein Hinweis dafür, dass unter Albert Knapp die Umwandlungsarbeiten im Kircheninneren in den neugotischen Stil nahezu abgeschlossen waren: dieser Stil charakterisierte das Innere der Kirche bis zur Zerstörung 1944. Emporenschmuck, Türen, Altar, Kanzel und Orgelgehäuse (Architekt Karl Beisbarth d. Ä.) bezeugten den hohen Stand Stuttgarter Kunsttischlerei.


St. Leonhard - Schlußstein
 

Chronik (17)


1880
An den Chorpfeilern werden neugotische Evangelistenfiguren des Bildhauers J. Zeiser, eine Stiftung des Möbelfabrikanten Fr. Wirth, angebracht. Sie blieben nach der Zerstörung der Kirche noch erhalten und sind Anfang der sechziger Jahre spurlos verschwunden.


1889
Die erste Kopie der Kreuzigungsgruppe von Hans Seyffer entsteht durch Bildhauer Reichelt unter Leitung von Prof. Adolf von Donndorf.


1898
Die südliche Sakristei mit einer schmückenden Maßwerkgalerie wurde von Baurat Theophil Frey angefügt. Er war als Warteraum für Trauungen notwendig geworden.


Eine der vier verschwundenen neugotischen Apostelfiguren
 

Chronik (18)


1935
Landesbischof Wurm beruft Pfarrer Lic. Wilfried Lempp zum 1. Stadtpfarrer an die Leonhards-
kirche, um den Einfluß der nationalsozialis-
tischen Deutschen Christen zu verhindern. So geriet die Leonhardsgemeinde zeitweise in den Mittelpunkt des Kirchenkampfes zwischen den Anhängern der Bekennenden Kirche und den Deutschen Christen. Die Pfarrer konnten sich zusammen mit dem Kirchengemeinderat und den Gemeindemitgliedern nachhaltig durchsetzen.


1944
In der Nacht zum Dienstag, 25. Juli 1944, wurde beim großen Luftangriff gegen Stuttgart auch die Leonhardskirche weitgehend zerstört. Das Gemeindeleben spielte sich in den nächsten Jahren zwischen Trümmerbergen ab.


Pfarrer Wilfried Lempp
 

Chronik (19)


1945
Unmittelbar nach dem Ende des schrecklichen Krieges entfernen mehr als 120 Freiwillige in etwa 1000 Arbeitsstunden den Schutt aus der Kirche. Die ersten Trümmergottesdienste werden gefeiert.
Am 9. Juli ist der Saal des Furtbachhauses fertiggestellt, der jetzt bis zur Wiedereinweihung der Leonhardskirche - also für fünf Jahre - Heimat der Gemeinde sein wird.
Am 10. September wird Lic. Wilfried Lempp zum Prälaten von Schwäbisch-Hall ernannt.
Am 2. Dezember tritt Stadtpfarrer Erwin Ißler von der Gedächtniskirche in Stuttgart das Amt des Stadtdekans und des 1. Stadtpfarrers von St. Leonhard an. Die Zahl der Gemeindemitglieder ist von mehr als 12 000 vor dem Krieg auf 3 854 gesunken.


Die linke Pfeilerreihe blieb (bis heute) erhalten
 

Chronik (20)


1946
Am 14. Januar wird zum ersten Male im Kirchengemeinderat der Wiederaufbau der Kirche besprochen.


1948
Der Wiederaufbau der Kirche nach den Plänen von Rudolf Lempp, Professor an der Staatsbauschule in Stuttgart, unter der Leitung von Architekt Dipl.-Ing. Gerhard Schneeweiß beginnt. Am 7. März kann das Richtfest für den Chor gefeiert werden.
Die beschädigten Figuren der Kreuzigungs-
gruppe vor dem Chor werden restauriert und am 20. Juni der Öffentlichkeit übergeben.
Am 12. Dezember wird das Richtfest für die Kirche gefeiert.


 

Prälat Erwin Ißler

Chronik (21)


1950
Es ist so weit! Die alte Kirche ist mit Schiffen und Chor wieder hergestellt. Die Turmruine ist allerdings noch gefährdet und kann der hohen Kosten wegen erst Jahre später wieder aufgebaut werden. Die Wiedereinweihung der ehrwürdigen Kirche - ein großes Fest - kann am 19. März gefeiert werden.
Erwin Ißler wird zum Prälaten ernannt.


1954
Der schöne Turm ist fertig. Am 14. November findet die Glockenweihe statt.


1955
In einer Feierstunde zum 500. Geburtstag von Johannes Reuchlin wird dessen eindrucksvoller Gedenkstein von 1501 in die Obhut der Leonhardsgemeinde gegeben.


 

Chronik (22)


1980-1983
Unter Pfarrer Gerhard Koch wird beschlossen, die Leonhardskirche innen entscheidend zu renovieren, womit schon zwei Jahre später begonnen wird.
Am 6. November 1983 findet der Einweihungsgottesdienst für die Innenrenovierung - der ersten maßgeblichen seit der Wiederherstellung 1950 - statt. Die Leonhardskirche hat ihre heutige Gestalt.


Die Leonhardskirche 2002