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Ev. Leonhardskirche Stuttgart - Chronik


1334
Erste urkundliche Erwähnung der Sant Lienhartz Münch. Sie kamen vom Zisterzienserkloster Fürstenfeld auf den Eßlinger Berg.


1337
Die Mönche brachten den Kult des Heiligen Leonhard in die von der Stuttgarter Bürgerschaft gestiftete Feldkapelle zu Sankt Leonhard, unweit der heutigen Kirche, damals außerhalb der Stadtmauern.


1339
Einweihung der Kapelle am 8. Juli durch Kaiser Ludwig den Bayern, den Gönner des Klosters Fürstenfeld.


Ludwig der Bayer (Klosterkirche Fürstenfeld)
 

Schlußstein mit dem Sternenwappen des Baumeisters Aberlin Jörg
 

Chronik (2)


1408
Urkundliche Erwähnung einer größeren Leonhardskirche mit einschiffigem Langhaus, Chor und Turm an der Stelle der heutigen Leonhardskirche. Baumeister war wohl Hänslin Jörg. Stiftung eines Leonhard-Altars.


1410
Eine Messe in ecclesia ist belegt. Erste Pfründe, mit der eine erste Kaplan-Stelle gestiftet wurde, für den Hochaltar.


1415
Erste urkundliche Erwähnung der St. Leonhards-Vorstadt

Chronik (3)


1430
Der Leonhardsfriedhof gewinnt an Bedeutung für die Bürger Stuttgarts, weil der Stiftskirchen-
friedhof aufgelassen wird. St. Leonhard wird zur Bürgerkirche Stuttgarts. Die Kirche wurde zu klein. Darum

1463 bis 1466
Bau der dreischiffigen Hallenkirche durch Aberlin Jörg (geb.1479), dem Sohn von Hänslin Jörg. Er ist der Erbauer der drei gotischen Kirchen in Stuttgart (zuerst der Stifts-, dann der Leonhards- und schließlich der Hospitalkirche). Der Turm wird um ein Stockwerk erhöht und erhält den Spitzhelm, der bis heute für die Leonhardskirche typisch ist.


Leonhardskirche bis zur Zerstörung 1944
 

Kreuzigungsgruppe von Hans Seyffer von 1501 (Kopie)
 

Chronik (4)


1482
Die Alte Sakristei an der Nordseite des Chores entsteht.


1501
Stiftung der Kreuzigungsgruppe des Bildhauers und Holzschnitzers Hans Seyffer durch Jacob Walther genannt Kühorn und Clara Magerlin.


Der bedeutende Humanist Johannes Reuchlin (1455-1522), in Pforzheim geboren
und seit Jahren Stuttgarter Bürger, entwirft seinen Humanistengedenkstein, der seit 1955 im Chor der Leonhardskirche aufgestellt ist.

Chronik (5)


1511
In St. Leonhard wird neben fünf bestehenden Pfründen (Kaplanstellen) eine erste Prädikatur (Predigerstelle) errichtet: Auf sie wird der Augustiner-Eremit Dr. Johannes Mantel, ein Ordensbruder Luthers aus Erfurter Zeiten, beru-
fen. Er hat die Predigerpfründe bis 1515 inne.


1520
Dr. Johannes Mantel, der inzwischen reformierter Theologe geworden ist, wird erneut in das Predigeramt berufen. Er war der erste evangelische Prediger Stuttgarts.


1522
Johannes Reuchlin stirbt in Stuttgart. Er wird in der Leonhardskirche vor der ersten Säule des nördlichen Seitenschiffs begraben.


Epitaph Johannes Reuchlins von 1501 im Chor der Kirche
 

Chronik (6)


1534
Stuttgart wird nach dem Sieg Herzog Ulrichs über die Österreicher bei Lauffen evangelisch. Der erste Pfarrer der Leonhardskirche nach der Reformation in Stuttgart war bis 1537 Johannes Lendlin. Er hatte zum Dominikanerkonvent des Stuttgarter Klosters - die spätere und heutige Hospitalkirche - gehört und war evangelisch geworden. Unter den vier Pfarrern der Stadt war er ´der oberste und fürnehmste´. Noch über viele Jahrhunderte hinweg blieb die Leonhardskirche aber ohne eigenen Gemeinde. In ihr wurde nur gepredigt, nicht getauft und getraut.


 

Chronik (7)


1536
Mit einem Übergabebrief vom 5. Februar hatte Herzog Ulrich neben der Stiftskirche auch die Leonhardskirche der Stadt Stuttgart überlassen. Sie wurde damit zur Unterhaltung der Kirchen verpflichtet. In einem Revers der Stadt heißt es: ´Wir und unserer Nachkommen wollen und sollen auch beid Kirch zu Stuttgarten ... und deren beider Kirchen Thürn, Uhren und Glocken in guten wesentlichen Puwen (Bauen) und Ehren, wie sich gebürt, unterhalten.´


1547
Johann Grempp, geboren 1513, stirbt am 3. Januar. Sein Grabstein, der älteste in der Leonhardskirche vorhandene, befindet sich heute im Chor.

 

Chronik (8)


1726
Zum ersten Mal wird im Herbst die Konfirmation mit 30 Konfirmanden gefeiert.


1733
Georg Konrad Rieger, ein Cannstatter Weingärtnersohn, wird Pfarrer an der Leonhardskirche und betreut dieses Amt bis 1742. Ein Bewunderer des schwäbischen Pietisten Bengel - hat er mehr als 1000 Predigten über das Matthäusevangelium geschrieben, eine wichtige Quelle künftiger Theologengenerationen. Mörike erwähnte ihn in seinem Turmhahngedicht aus Cleversulzbach:
´Da stehen in Pergament und Leder
vorn an die frommen Schwabenväter:
Andreä, Bengel, Rieger zween
samt Ötinger sind da zu sehn.´


Georg Konrad Rieger
 

Chronik (9)


1741
63 Salzburger Protestanten, die wegen ihres Glaubens vertrieben worden waren, kamen nach Cannstatt, um von da mit Schiffen nach Amerika zu emigrieren. Sie zogen an einem Sonntag im Juni in die Leonhardskirche, wo Samuel Urlsperger, der Augsburger Hauptpastor, predigte. Die Stuttgarter Bürger empfingen die Emigranten überaus herzlich und in großer Zahl.


1799
Der zweitälteste Friedhof in Stuttgart, der sich bei der Leonhardskirche von der Brennerstraße bis zur Jakobstraße erstreckte, wird geschlossen. Der Leonhardsfriedhof wird 1805 ganz beseitigt. Die Kreuzigungsgruppe bleibt bestehen.


Christus der Kreuzigungsgruppe
 

Chronik (10)


1806
Einführung der neuen kirchlichen Ordnung. Erst von jetzt an gibt es eine eigene Leonhards-
gemeinde, denn Stuttgart wurde nach den drei Hauptkirchen in drei Parochien (Gemeinden) eingeteilt. In jeder durfte nun getauft und getraut werden. Die erste Trauung fand am 1. November in der Leonhardskirche statt.


1823
Ludwig Hofacker (1798-1828) kommt als bis dahin unbekannter Vikar an die Leonhardskirche, wo er bis 1825 die Gemeindemitglieder und weite Kreise darüber hinaus in seinen gläubigen Bann zieht. Der ´betende Prediger´ hat ihn Stadtdekan Hans Lindel (von 1959 bis 1970 1. Pfarrer an der Leonhardskirche) in der Festschrift ´500 Jahre Leonhardskirche´ genannt.
Fortsetzung Chronik 1806-2002


Ludwig Hofacker